Ich bin kein Autoexperte. Ich weiß, wie ich die Reifen wechsele, einen Ölwechsel durchführe und eine durchgebrannte Glühbirne vom Blinker austausche. Es ist wichtig für mich, das einmal vorweggenommen zu haben, weil ich mein gesamtes technisches Wissen über Transporter aus zweiter Hand – vor allem aus dem Internet – habe. Ich habe schnell für mich herausgefunden, dass Details zwar wichtig sind, am Ende jedoch der Gebrauchtwagenmarkt mitentscheidet, was Du dir für einen Wagen kaufst. Für wen das Budget nach oben unbegrenzt, gibt es letztlich keine Grenzen was Ausstattung und Details betrifft. Alle anderen müssen irgendwo Kompromisse eingehen. So spielt das Leben.

Nichtsdestotrotz habe ich erst einmal versucht, mein Traumfahrzeug zu konfigurieren. Einmal im Kopf und im zweiten Schritt bei den Herstellern auf der Webseite. Die Größe ist dabei der erste und wichtigste Aspekt. 

Im Grunde gibt es bei Transportern zwei gängige Fahrzeuggrößen. Zu den Kleintransportern gehört ursprünglich der Klassiker von Volkswagen, der sogenannte VW Transporter. Inzwischen hat sich der Markt längst geöffnet. Mercedes stellt den Vito her, Peugeot den Expert, Opel den Movano, Renault den Traffic, Ford den Custom und so weiter und so fort. Dabei muss man beachten, dass manche Marken Joint Venture eigegangen sind und zumindest von der Karosserie her, äquivalente, sehr ähnliche Fahrzeuge bauen. 

Die zweite Fahrzeugklasse bei Transportern sind die Kastenwagen. Der Klassiker kommt hier aus dem Hause Daimler und heißt Mercedes Sprinter. Kastenwagen sind mit Normaldach und Hochdach erhältlich und natürlich in verschiedensten Längen. Der VW Kastenwagen heißt Crafter, bei Peugeot heißt er Boxer, bei Fiat Ducato, bei Ford Transit. 

Logischerweise muss jeder individuell für sich entscheiden, was für eine Größe das neue zu Hause haben soll. Beim Kauf meines Autos war vor allem die Höhe entscheidend. Mit 1,85m war es mir ein Anliegen in meinem Van aufrecht stehen zu können und beim Schlafen die Beine auszustrecken. Außerdem plane ich auch mal mehrere Monate unterwegs zu sein. Da wird mir sicherlich mal eine eklig verregnete Woche unterkommen, in der ich mich drinnen aufhalten werde. Unter der Maßgabe, so dachte ich mir, ist ein bisschen Platz und Offenheit vielleicht auch ein gutes Mittel gegen einen Lagerkoller. Der größte Nachteil von einem Wagen mit Hochdach ist die Höhe. In einem kleinen italienischen Bergdorf könnte ich in den Tunneln oder unter den Brücken Probleme bekommen. Kleine Parklücken mit einem großen Auto sind auch nicht unbedingt mein Lieblingsszenario. Meine Kompromiss: eine Einparkhilfe und Platz für ein Fahrrad, sodass ich im Zweifel gar nicht erst in kleine Städte reinfahren muss. Ungefähr so habe ich bei allen Aspekten, die mir wichtig erscheinen abgewägt. Das dauert natürlich eine Weile und die Zeit dafür sollte man sich auf jeden Fall nehmen!

Ich habe hier unten weitere Dinge aufgelistet, über die ich mir den Kopf zerbrochen hat. Vielleicht könnte das für den ein oder anderen hilfreich sein…

  • Die Farbe: Meine erste Wahl ist weiß. Das Auto reflektiert dadurch die Sonne und sollte in warmen Regionen nicht allzu heiß werden. Außerdem sind Transporter eigentlich immer weiß, sodass es eine gute Auswahl gibt und man gleichzeitig kein Wohnmobil von außen vermutet.
  • Die Motorisierung: Wie gesagt, Motoren sind nicht mein Fachgebiet. Ich habe mir aber sagen lassen, dass eine größere Motorisierung eine deutliche höhere Lebensdauer hat.
  • Die Einparkhilfe: Zumindest eine Rückfahrkamera war für mich Pflicht. Früher oder später kommt sowieso der Zeitpunkt, wo man ohne Einweisung in eine enge Parklücke einparken muss.
  • Der Tempomat: Kein Muss, aber bei langen Strecken spart man mit Tempomat einiges an Sprit. 
  • Die Klimaanlage: Glaubt nicht, Klimaanlage sei heutzutage Standard. Transporter werden eigentlich immer gewerblich genutzt und da gilt die Maxime, je billiger, desto besser. Deshalb haben viele Transporter auch im Jahr 2018 keine Klimaanlage.
  • Fenster im Laderaum: Wer gerne Fenster möchte, schränkt seine Suche damit stark ein. Viele Kastenwagen besitzen nämlich keine Fenster. Wozu auch? Es sei aber gesagt, dass sich Fenster für nicht allzu viel Geld nachrüsten lassen. Das hat den Vorteil, dass man dann auch Fenster wählen kann, die sich öffnen lassen.

Bitte seid nicht desillusioniert, wenn ihr alle technischen Daten bei einem Autoportal eintragt und nur wenige, sehr teure Ergebnisse für Fahrzeuge erhaltet. Spätestens jetzt wird euch vielleicht klar, dass es das perfekte Auto zum perfekten Preis möglicherweise nicht gibt – zumindest im Moment nicht. Da hilft es vielleicht zu wissen, dass sich einige Extras wie die Fenster, eine Einparkhilfe, ein Tempomat, ein Navi und vieles mehr nachrüsten lassen. Wenn ihr nicht gerade zum Hersteller geht, kostet das auch nicht die Welt. Irgendwo werdet ihr in aller Regel trotzdem Kompromisse machen müssen, vorausgesetzt natürlich, ihr wollt euer Budget nicht schon beim Kauf des nackten Fahrzeuges sprengen. 

Nachdem ich mein Traumauto konfiguriert habe, bin ich als nächstes die Preislisten der Hersteller durchgegangen und habe die Preise miteinander verglichen. Dabei hilft es, auch einen Blick auf Unterhaltungskosten zu werfen. Dazu zählt nicht nur der Kraftstoffverbrauch, sondern auch, wie teuer Reparaturen und Ersatzteile sind. Darüber findet man zum Beispiel Statistiken beim autokostencheck. Außerdem ist es sinnvoll, nach typischen „Krankheiten“ der einzelnen Serien zu schauen. Nur weil der Sprinter von Mercedes beispielsweise in der Vergangenheit der Vorreiter der Kastenwagen gewesen ist, bedeutet das nicht, dass die neuen Modelle immer noch ihrer Zeit voraus sind. Ihr werdet bei der Recherche bestimmt auf Rostprobleme bei spezifischen Serien oder ähnliches stoßen, die einer fehlerhaften beziehungsweise suboptimalen Fahrzeugentwicklung zu verschulden sind.

Ich habe mich nach meiner Recherche für den Mercedes Sprinter 316 CDI von Ende 2013 entschieden. Anschließend habe ich mir ein Limit für KM-Leistung und Alter gesetzt. Transporter sind Dieselfahrzeuge können gut und gerne 250.000 km ohne Probleme laufen. Das ist ja auch ihr Zweck. Viele Firmen stoßen ihre Kastenwagen nach 100.000 km Laufleistung ab. Die Auswahl an Fahrzeugen mit ungefähr dieser Laufleistung ist demnach recht hoch, weshalb mir 100.000 km sinnvoll erschienen. Das Alter ist ausschlaggebender als die Laufleistung. Man erklärte mir, dass Transporter nicht für die Ewigkeit gebaut sind. Da sie viel und intensiv genutzt werden, sei es nicht notwendig, dass die Autos eine hohe Lebenserwartung haben. Ich habe mir deshalb fünf Jahre als Obergrenze gesetzt. Das bot sich ohnehin gut an, da vor fünf Jahren gerade ein neuer Sprinter auf den Markt kam.

Meine Auswahl war damit beendet. Damit konnte die Suche nach meinem Auto beginnen. Konkret suchte ich einen Mercedes Benz Sprinter 316 CDI mit

  • bis zu 100.000 km Laufleistung
  • Erstzulassung 2013-heute
  • Einparkhilfe, Klimaanlage, Tempomat.

Beim Fenster habe ich mich für eine Nachrüstung entschieden. Das hat die Suche deutlich erleichtert!

Nach ungefähr einem Monat und zwei Besichtigungen bin ich fündig geworden. Aber dazu später mehr…

cheers, finn & ingo

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