Zugegeben: Einen nackten Transporter auszubauen, um in einem gemütlichen Häuschen auf Rädern zu leben und zu reisen, ist nicht unbedingt eine gängige Vorstellung und sicherlich nicht jedermanns Sache. Ist ja auch gut so. Wenn jeder plötzlich mit einem Van durch Europa touren würde, hätte das Ganze deutlich weniger Charme. Dennoch kann ich jeden nachvollziehen, der den Schritt wagt und vorübergehend oder langfristig in ein mobiles zu Hause umzieht. Die Gründe dafür erfahrt ihr jetzt!

Als ich mein Abitur bestanden hatte, stand ich nicht planlos in der Gegend herum. Ich wusste, direkt nach dem Abschlussball würde es für mich nach Mexiko gehen. In Mexiko bin ich größtenteils mit meinem Rucksack von Hostel zu Hostel getingelt. Gereist bin ich entweder mit einem der unzähligen Collectivos – eine Art Sammeltaxi – oder mit einem Überlandbus. Meine erste Lektion habe ich dabei ziemlich schnell gelernt. Wenn man unterwegs ist wie jeder andere auch, dann erreicht man nur die Orte, die jeder andere auch erreicht. Und die sind dann eigentlich immer überfüllt und überteuert. Auch im Hostel lernt man nur Menschen kennen, die aus dem selben Land, manchmal sogar der selben Heimatstadt, fast immer jedoch zumindest aus dem gleichen Kulturkreis (wenn es sowas gibt) stammen. Ich kam mir in Mexiko manchmal so vor, als würde ich mich von einer Blase zur Nächsten bewegen. Aus diesen Blasen auszubrechen wurde mir immer durch Logistik und Logis erschwert. Ich will diese Form des Verreisen gar nicht abwerten, ich habe für mich schlichtweg die Konsequenz gezogen, dass ich nicht drauf stehe. 

IMG_2635.jpg

Als ich in diesem Jahr mit meinem besten Freund in den USA und Kanada unterwegs gewesen bin, war es etwas anders. Durch meinen alten 2003er Toyota Echo hatte sich immerhin das Problem mit der Logistik in Luft aufgelöst. Es hat sich absolut bewährt mit dem eigenen Auto zu reisen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: (fast) unbegrenzte Mobilität! 

Wo es uns wettertechnisch möglich war, haben wir unser Zelt einfach irgendwo in der Wüste aufgeschlagen, ein Lagerfeuer gemacht und mit unserem Gaskocher Spaghetti auf dem sandigen Wüstenboden gekocht. Das hat super funktioniert. Es hat sich für uns nach 4 Wochen aber dennoch herauskristallisiert, dass Pasta mit Pesto auf Dauer nicht so nahrhaft ist, das Duschen auch mal ganz nett ist und das Regen ganz schön nervig sein kann. Klar, das sind alles Luxusprobleme. Für mich steht aber eines fest: Wer länger unterwegs sein möchte, aber gleichzeitig bestimmte Vorteile von zu Hause nicht missen will, der muss sein zu Hause eben mitnehmen.

Ich bin mehr als froh darüber, aus meinen Reisen nach Nordamerika diese Erkenntnisse gezogen zu haben. Immer mobil zu sein und immer sein Bett dabei zu haben, bedeutet für mich, dort zu sein, wo und wie lange ich möchte. Nicht ständig Busverbindungen raussuchen, nicht jeden Tag im Hostel einchecken, nicht immer wieder der gleiche Smalltalk mit anderen Backpackern in der Unterkunft. 

Vielleicht muss ich dafür auch Abstriche machen, das mag sein. Über die möchte ich allerdings nicht spekulieren, sondern erst darüber schreiben, wenn ich sie erlebt habe. Fürs erste heißt es, an die Arbeit gehen und einen passenden Transporter zu finden.

cheers, finn & ingo

Comment